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Brexit? Handelsstreit? Warum uns politisch motivierte Schlagzeilen nicht aus der Ruhe bringen sollten

“Politische Börsen haben kurze Beine” lautet eine seit Monaten viel zitierte Börsenweisheit. Damit ist gemeint, dass politische Ereignisse die Aktienkurse zwar kurzfristig beeinflussen können, langfristig aber keine Auswirkungen auf deren Performance haben. Wohl wahr, denn wie die Historie lehrt, gewinnen die großen Leitindizes Dax und Dow Jones seit 1988 im Mittel zwischen sieben und acht Prozent pro Jahr - und das, trotz diverser, vermeintlich negativer, Einflussfaktoren. Woher kommt also die irrationale Angst vieler Anleger vor dem politisch motivierten “Crash”? Und ist sie nicht doch manchmal berechtigt?

Die Faktenlage
Trump twittert über eine mögliche Eskalation des Handelsstreits mit China - die Kurse fallen. Trump zwitschert von Steuergeschenken für US-Unternehmen - die Kurse steigen. Ähnliches gilt für die Nachrichtenlage rund um den Brexit, die italienische Haushaltskrise oder andere, wirtschaftspolitische Dauerbrenner mit “kurzen Beinen”. Denn: die Märkte haben nach einer jeweils kurzen Phase der Verunsicherung ihre Aufwärtsbewegung fortgesetzt, wie am nachfolgenden Dax-Chart des politisch turbulenten Jahres 2016 deutlich wird:
 
Vergleichs-Chart: Dax und Dow Jones 2016
 
Am 24. Juni 2016 sprach sich die Mehrheit der Briten beim Referendum für einen Austritt aus der EU aus. Das Brexit-Votum erschütterte die Finanzwelt. Weltweit brachen Aktienkurse teils zweistellig ein. Doch die Unsicherheit währte nicht lange: Schon Anfang August fand der Dax zu seiner alten Form zurück und kletterte bis zum Jahresende um fast 2.000 Punkte auf 11.481 Zähler.

Ähnliches ereignete sich wenig später in den USA: Am 8. November 2016 läutete die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten eine bis heute andauernde Kursrally ein, mit der im Vorfeld wohl niemand gerechnet hätte. Der Dow Jones gewann nach einer kurzen Schwächephase gewaltig an Fahrt und erreichte Mitte November 2018 sogar erstmals in seiner Geschichte die Marke von 18.900 Punkten. Und das war erst der Anfang: Bis dato stehen gar über 25.000 Punkte zu Buche.

Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, politische Börsen haben erwiesenermaßen kurze Beine und finden selbst nach kurzen Rückschlägen immer wieder zu ihrer alten Form zurück. Dass viele Börsianer trotz besseren Wissens stets aufs neue in Panik verfallen, sobald es politisch mal wieder hoch hergeht, hat größtenteils mit (Börsen-)Psychologie zu machen.

Die Psycho-Falle
An der Börse werden nämlich keine Tatsachen, sondern Wahrscheinlichkeiten gehandelt. Oder wie Jesse Livermore es einmal formulierte: “Nicht die Nachrichten machen die Kurse, sondern die Kurse machen die Nachrichten.” Wobei es natürlich unmöglich ist zu prognostizieren, wie Investoren auf ein Ereignis reagieren werden. Oder, ob der “Nachrichtenwert” vielleicht ohnehin bereits in der Kursentwicklung eingepreist ist.

Die meisten politischen Krisen werden in ihrer Wirkung auf die Aktienmärkte überschätzt, weil Investoren den langfristigen Negativeffekt auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung überbewerten. Oder die Fähigkeit der börsennotierten Unternehmen, sich an schlechtere Rahmenbedingungen anzupassen, unterschätzen. Fehleinschätzungen dieser Art führen häufig zu Panik-Verkäufen oder Euphorie-Käufen, die für irrationale Kursbewegungen sorgen.

Dabei könnte es doch so einfach sein: Die Historie lehrt uns, dass auf eine ausgedehnte Rallye stets eine Korrektur folgt. Auf- und Abwärtstrends laufen immer wieder nach dem gleichen, natürlichen Schema ab und kennen langfristig doch nur eine Richtung: nach oben. Versuchen wir also, an der Börse statt “kurzer Beine” einen “langen Atem” zu haben. Am besten gelingt dies natürlich mit den 100 Champions-Aktien aus dem boerse.de-Aktienbrief, die sich durch eine mindestens zehnjährige, erfolgreiche Kurshistorie auszeichnen - und das bei unterdurchschnittlichen Rücksetzern. Lesen Sie doch mal rein!

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende,

Ihre Miss boerse.de
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