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Hochspannung vor dem IPO: Die Deutsche Familienversicherung geht morgen an die Börse!

Wir kennen die Allianz, die HUK, die Axa und viele andere, namhafte Versicherungen. Doch von der Deutschen Familienversicherung haben vermutlich die wenigsten meiner Leser (einschließlich mir) gehört. Der Bekanntheitsgrad des sogenannten “InsurTechs-Unternehmens” (Insurance Technology) wird allerdings spätestens morgen deutlich steigen, wenn die Deutsche Familienversicherung ihr Börsendebüt feiert. Zwar war der IPO ursprünglich bereits für November geplant, doch angesichts des “schwierigen Kapitalmarktumfelds” entschied sich das Management kurzerhand dazu, den Börsengang zu verschieben.

Börsengang 2.0
Dabei war “Timing” nicht der einzige Kompromiss: Statt der ursprünglichen 17 bis 23 Euro pro Anteilsschein kostet das DFV-Papier jetzt nur zwölf Euro pro Stück. Zudem verzichtete Firmengründer und Vorstandschef Stefan Knoll, der ursprünglich Aktien für bis zu 13 Millionen Euro verkaufen wollte, darauf, eigene Anteile zu platzieren. Stattdessen erhält die DFV tatkräftige Unterstützung vonseiten der VPV Lebensversicherung, die Aktien für 25 Millionen Euro abnahm und damit nach dem Börsengang 15,6 Prozent am Unternehmen hält.

Im Rahmen des Börsengangs wurden insgesamt 4,37 Millionen Aktien erfolgreich platziert, davon 3,8 Millionen aus einer Kapitalerhöhung. Damit dürften am Dienstag gut 52,1 Millionen Euro in die Kasse der “first digital insurance” fließen, die das Geld primär zur Finanzierung ambitionierter Wachstumsziele verwenden will.

Direkt und digital
2017 verfügte die DFV laut eigener Angaben über 420.000 Policen mit einem Bestandswert von 72 Millionen Euro, akquirierte 40.000 Neukunden und beschäftigt 100 (!) Mitarbeiter. Das scheint wenig, doch der Branchen-Innovator versteht sich nicht als traditioneller Versicherer mit Heerscharen von Maklern, einem komplexen Verwaltungsapparat und viel Bürokratie, sondern als schlanke, digitale Versicherung mit innovativen Kundenlösungen. So können sich Interessenten beispielsweise von Amazon Alexa beraten lassen, die Versicherung online abschließen, Prämien über Paypal oder Amazon Pay bezahlen und alle relevanten Informationen in der DFV-App abrufen.

Zum Portfolio der Deutschen Familienversicherung zählen Zahn-, Kranken- und Pflegezusatzversicherungen sowie Sachversicherungen. 2018 will die DFV - mitunter dank der Erlöse aus dem Börsengang - 50.000 Neukunden werben. Bis 2020 soll die Zahl auf 100.000 steigen. Zudem wollen die Frankfurter bis dahin auch den Eintritt in mindestens einen weiteren, europäischen Markt geschafft haben.

Spannende Pläne, die - zumindest für Anleger - als Reise ohne Rücktrittsversicherung zu werten sind. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass die DFV ihre Ziele erreicht, doch auch große, namhafte Versicherer stehen nicht still. Ganz im Gegenteil: So präsentierte beispielsweise das Dax-Schwergewicht Allianz kürzlich einen radikalen Plan, der Strukturen und Produktangebote einfacher und digitaler machen soll. Auch eine reine Online-Versicherung ist geplant. Ob sich traditionsreiche Großkonzerne im Versicherungs-Branchenwandel langfristig gegen kleine Neueinsteiger bewähren oder von ihrer eigenen Last erdrückt werden, wird sich zeigen.

In der Zwischenzeit sind Neuemissionen, wie auch diese drei geplanten IPO’s aufgrund des enormen, wirtschaftlichen Unsicherheitsfaktors höchstens eine spannende Depotbeimischung. Sie ersetzen jedoch nie das langfristig orientierte Basisinvestment bestehend aus Champions-Aktien, die mit einer mindestens 10-jährigen, erfolgreichen Kurshistorie und geringen Rücksetzern punkten. Mehr zur Ihrer “Depot-Versicherung” lesen Sie im aktuellen boerse.de-Aktienbrief!

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de
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