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Börsenstimmung – Aktuell wenig Raum für Optimismus

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die Schwächeanfälle der Aktienkurse im Oktober und ihre zunehmende Volatilität haben die Börsenprofis spürbar verunsichert. Parallel dazu entwickeln sich die Aktienmärkte der Welt nicht mehr synchron, zumal auch die Konjunkturverläufe differenziert beurteilt werden. Die Ertrags- und Kursentwicklung großer Unternehmen ist inzwischen auffallend uneinheitlich. All das erschwert naturgemäß den Blick nach vorn, eine klare Mehrheitsmeinung ist in den Prognosen nicht mehr zu erkennen. Selbst Optimisten fällt die Argumentation nicht leicht.

Typisch dafür die jüngste Analyse des bekannten Blackrock-Strategen Dr. Martin Lück: Trotz guter Unternehmensergebnisse scheuen Anleger das Risiko. Angesichts der politischen Risiken ist Nervosität durchaus verständlich. Die auf vollen Touren laufende Berichtssaison für das dritte Quartal produziert die erwartet positiven Ergebnisse, in vielen Fällen sogar mehr als das. Zwar flacht das Wachstum der Gewinne gegenüber dem zweiten Quartal etwas ab, aber nach wie vor sieht die Ertragslage börsennotierter Unternehmen stark aus, weit oberhalb des langfristigen Durchschnitts. Einziger Schönheitsfehler: Anleger interessiert das kaum noch. Gute Berichte für die junge Vergangenheit werden als selbstverständlich zur Kenntnis genommen, das eigentliche Interesse richtet sich aber nach vorn, auf den Ausblick, den die Unternehmensvorstände in die nahe Zukunft werfen. Und wird dort gewackelt, schlägt der Markt sehr hart zu. Einige Unternehmen sind über den Verlauf der letzten Wochen infolge von Gewinnwarnungen regelrecht unter die Räder gekommen. Immer mehr wird die Nachhaltigkeit ins Fenster gestellter Zukunftsgewinne in Zweifel gezogen.

All dies sind Zeichen dafür, wie Lück betont, dass nicht nur die Nervosität zunimmt, sondern sich viele Investoren auf Sicht aus dem Risiko verabschieden. In der letzten Woche sind bezeichnenderweise Aktienkurse und Anleiherenditen im Tandem gefallen, typische Symptome von ‚risk-off‘: „Wir verweisen in diesem Zusammenhang umso mehr auf unsere seit einiger Zeit geltende Empfehlung, Qualitätsaktien, also Unternehmen mit starken Bilanzkennziffern, nachhaltigem Gewinnstrom, geringer Verschuldung etc., im Portfolio stärker zu gewichten.“

Wenn der Aufschwung in die Jahre kommt und Anleger immer mehr Zweifel an der Nachhaltigkeit des Gewinnwachstums haben, wäre Beruhigung von politischer Seite hilfreich. Leider stehen wichtige politische Entscheidungen wie der Budgetstreit zwischen der italienischen Regierung und der EU oder die Gefahr eines No-Deal-Brexit immer noch Spitz auf Knopf, von Beruhigung keine Spur.

Sodann widmet sich der Stratege einem übergeordneten politischen Risiko, das ich ebenso sehe und das von den Märkten noch nicht konkret einzuordnen ist: „Dazu kommt eine immer drastischere Verrohung der politischen Kultur. Relativ junge Demokratien in Schwellenländern sind dafür besonders anfällig, wie das erschreckende Beispiel der brasilianischen Präsidentschaftswahl zeigt. Aber auch reife und, wie man meinen möchte, gefestigte Demokratien sind vor dieser Verrohung nicht gefeit. Die Rohrbombenvorfälle letzte Woche in den USA sind ebenso eine Folge davon wie Prügelattacken gegen Minderheiten in Großbritannien oder die hierzulande gehörte Drohung, man werde die Regierung jagen. Geistige Brandstifter sind immer eine Bedrohung für die Demokratie, und für Volkswirtschaft wie Märkte meist auch, wie vollmundig ihre marktliberalen Versprechungen auch immer klingen mögen.“ Lücks Fazit: „Kein Wunder, wenn sich Investoren abwenden. Für Optimismus scheint derzeit in der Tat wenig Raum.“

Als zweites Beispiel zitiere ich aus einer ganz aktuellen Studie von T. Rowe Price, einer anderen großen Investmentgesellschaft mit Sitz in den USA. Sie gibt sich zwar optimistisch für Aktien, macht aber zugleich gravierende Einschränkungen: Obwohl Abschwünge immer beunruhigend und temporäre Turbulenzen zu erwarten seien, blieben die Aussichten für die internationalen Aktienmärkte generell günstig. „Während das Wirtschafts- und Kapitalmarktumfeld so günstig ist wie seit einiger Zeit nicht mehr, sollten Investoren nicht erwarten, dass sich die Rendite des Marktes auf unbestimmte Zeit fortsetzt“, sagt Portfolio Manager Don Peters. Angesichts der starken Performance der letzten Jahre wäre es nicht verwunderlich, wenn die Aktienmarktrenditen in den kommenden Jahren sinken würden. Allerdings sind Aktien nach wie vor die beste Wahl für Anleger, die ein langfristiges Kapitalwachstum anstreben.

Das klingt nicht besonders ermutigend für Privatanleger, die sich eher an den kurz- bis mittelfristigen Perspektiven orientieren, selbst wenn sie langfristig investieren wollen. So wie es jetzt aussieht, werden die kommenden Wochen bis zum Jahreswechsel besonders spannend – zumindest was die Meinungsbildung von Volkswirten und Analysten betrifft. Ich tippe mal darauf (mehr ist es heute noch nicht), dass die Mehrheit der Aktienmarkt-Prognosen für 2019 ziemlich verhalten ausfallen wird.

Machen Sie also weiter mit – und machen Sie’s gut!
Ihr

Hermann Kutzer
Redaktion
Aktien-Ausblick

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