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Das ABC guter Unternehmensführung: Wie Warren Buffett Berkshire Hathaway auf Erfolgskurs hält

Budgetbewusstsein, Ernsthaftigkeit und Verwandtschaft. Dies sind drei der Hauptmerkmale, die den Geschäftsaktivitäten von Berkshire Hathaway ihre besondere Kraft verleihen. Berkshires Tochtergesellschaften unterscheiden sich in vielen messbaren Kriterien, wie Kaufpreis, Unternehmensgröße und Mitarbeiterzahl, relativ stark voneinander. Doch sie teilen – und dies ist ein wichtiger Erfolgsfaktor – in der Tat eine einzigartige Unternehmenskultur, die auf elementaren Werten basiert.

Langfristige Partnerschaften werden bei Berkshire Hathaway sehr geschätzt. Die Holding präsentiert sich den Tochtergesellschaften, darunter vielen Familienunternehmen, als ein Ort, an dem sie ein dauerhaftes Zuhause finden können, sodass Gemeinsamkeiten eher in Vertrauensbindungen als in einfachen finanziellen Kennzahlen gefunden werden können.

Kosten im Griff

Der Autoversicherer Geico, Warren Buffetts vielleicht wichtigste Beteiligung, praktiziert Budgetbewusstsein durch ernsthafte Sparsamkeit und außergewöhnliche operative Effizienz. Dahinter steht jedoch nicht nur der Gedanke, den Gewinn zu steigern. Tatsächlich gibt Geico die meisten seiner Einsparungen als niedrigere Prämien an die Kunden weiter. Diese Politik zieht mehr Kunden an und führt zu einem höheren Gesamtprämienvolumen für das Unternehmen.

Buffett zeigt mit Berkshire, wie sich ein kleines Unternehmen in einen riesigen Konzern verwandeln kann – kein Wunder also, dass Unternehmergeist die Kultur von Berkshire Hathaway immer noch antreibt: Berkshire-Manager müssen „Selbstzünder“, echte Unternehmer mit eigenen Ideen und starkem Willen, sein.

Unter den Unternehmern von Berkshire befinden sich mehrere Preisträger des Horatio Alger Award, eine Auszeichnung für Persönlichkeiten, die trotz wirtschaftlicher Widrigkeiten große Erfolge erzielt haben. Ein Preisträger war Albert Lee Ueltschi, Gründer von Flight Safety International, der mit 16 Jahren einen Hamburger-Stand namens eröffnete und den Gewinn für seinen Flugunterricht einsetzte. Seine Leidenschaft für das Fliegen inspirierte ihn dann dazu, anderen das Fliegen beizubringen. Ueltschi gründete schließlich die weltweit führende Berufspilotenausbildungsschule, die mit Flugsimulatoren Routine-Verfahren aber auch Notfallübungen unterrichtet.

Kleine schlagkräftige Einheiten

Um diese „Selbstzünder“-Mentalität bei den Mitarbeitern zu fördern, praktiziert Berkshire Hathaway einen eigenen Managementansatz: Statt auf Bürokratie setzt die Holding auf Unabhängigkeit der Tochtergesellschaften. Interessanterweise beschäftigen letztere insgesamt mehr als 300.000 Mitarbeiter, während in der Berkshire-Zentrale nur rund zwei Dutzend Menschen arbeiten.

Manche Firmen der Holding praktizieren auch die 90/10-Regel, bei der Nachwuchsführungskräfte 90 Prozent der Entscheidungen treffen, während Senior Manager den Rest bestimmen: insbesondere bei Themen, die ungewöhnlich hohe Risiken bergen, besondere Fähigkeiten erfordern oder über das Fachwissen von Nachwuchsführungskräften hinausgehen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Führungskräfte können ihr Geschäft weiterhin selbstständig führen. Und gleichzeitig fühlen sich in der Partnerschaft mit Berkshire Hathaway relativ sicher.

Reputation als Umsatztreiber

Ein einwandfreier Ruf ist die Grundlage für ein gutes langfristiges Geschäft. Der erfolgreiche Möbelhändler Jordan's Furniture beispielsweise gehört zum Berkshire-Imperium und macht Jahr für Jahr rund 1.000 US-Dollar Umsatz pro Quadratmeter Ladenfläche – fast sechsmal so viel wie der Branchendurchschnitt.

Jordan's Furniture hat einen soliden Ruf, der auf seinem sehr guten Kundenservice basiert. Das Unternehmen will seinen Kunden „Shoppertainment“ bieten: Kunden können in den Läden beispielsweise in einem kleinen Theater Platz nehmen, um eine Flugsimulation zu betrachten. Zum anderen können sie an einem Modell der Bourbon Street in New Orleans entlang schlendern und ein Flussboot besichtigen. Diese unterhaltsamen In-Store-Konzepte ziehen viele interessierte Kunden an und generieren wiederum hohe Umsätze.

Vermögen, das Generationen überdauert

Hathaway ist langfristig tätig. Das macht Familienunternehmen für sie besonders attraktiv, da diese oft von starken Bindungen, Fairness, gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt sind. Im Geschäft zahlt sich das aus. Im Jahr 1995 konnte Warren Buffett das Familienunternehmen RC Willey Home Furnishings erwerben, obwohl sein Angebot 25 Millionen US-Dollar unter dem der Konkurrenz lag.

RC Willey wusste, dass Berkshire Hathaway die Stärken von Familienunternehmen. Auf diese Weise ermöglichte die Unternehmenskultur Berkshire Hathaways, eine aussichtsreiche Akquisition abzuschließen und gleichzeitig Geld zu sparen.

Unter diesen Vorzeichen bleibt Berkshire Hathaway ein Dauerbrenner, genauso wie der Altmeister selbst. Wer in der Vergangenheit in Berkshire investiert war, ist gut gefahren. Ich sehe nicht, warum sich das auf absehbare Zeit ändern sollte. Den von mir und meinen Kollegen berechneten Inneren Wert der Aktie finden unsere Leser in der Privatinvestor-Datenbank.

Auf gute Investments,
Ihr

Alan Galecki
Analyst im Team von Max Otte

P.S.: Viele weitere Informationen zu Anlagestrategien, aktuelles Börsenwissen und neueste Unternehmensanalysen finden Sie auf unserem Blog, täglich per WhatsApp und natürlich auch in unserem E-Mail-Newsletter.

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