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DAX in der Zwickmühle

Der deutsche Leitindex profitierte zuletzt vom schwächeren Euro. Auf der anderen Seite droht der deutschen Wirtschaft eine Wachstumsdelle. Was also tun?

 

Einer bekannten Börsenweisheit zufolge sollten sich Anleger im Mai komplett aus dem Aktienmarkt verabschieden. In diesem Jahr allerdings verlief der Start in den Wonnemonat für den DAX sehr vielversprechend. Zuletzt kletterte der deutsche Leitindex sogar über die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Zählern und markierte damit den höchsten Stand seit Februar. Doch wie nachhaltig ist dieser Aufwärtstrend? Immerhin sind mehrere Erholungsversuche bereits gescheitert. Um die Frage zu beantworten, gilt es nach den Ursachen des jüngsten Hochs zu suchen. Der ausschlaggebende Faktor ist im schwächeren Euro zu finden. Zuletzt rutschte die Gemeinschaftswährung unter die 1,20-US-Dollar-Marke. Zur Erinnerung: Im April notierte der Euro noch bei mehr als 1,24 US-Dollar. Die steigende Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone könnte den Euro noch weiter nach unten drücken. Angesichts der stark gegenläufigen Korrelation, die zwischen DAX und EUR/USD-Wechselkurs seit geraumer Zeit zu beobachten ist, wäre das eine gute Nachricht für das deutsche Börsenbarometer.

 

Vorsicht Wachstumsdelle

Jedoch gibt es einen Haken: Die Rede ist von der konjunkturellen Eintrübung, von der die Eurozone beziehungsweise Deutschland gerade erfasst wird. Ersten Daten zufolge ist die Wirtschaft im Euroraum in den ersten drei Monaten des Jahres lediglich um 0,4 Prozent gegenüber dem Schlussquartal 2017 gewachsen. Im Vergleich zu den vorangegangenen Quartalen hat sich das Expansionstempo damit fast halbiert. Die spannende Frage lautet nun: Wie tief wird die Wachstumsdelle ausfallen? Die seit Monaten fallenden Frühindikatoren, wie zum Beispiel das ifo Geschäftsklima, lassen eine nachhaltige Stimmungseintrübung erwarten. Es wäre also nicht überraschend, wenn es in nächster Zeit zu einer Abwärtsrevision bei den Gewinnschätzungen kommt. Die durchwachsene Geschäftsentwicklung der Unternehmen im ersten Quartal bestätigt diese Einschätzung. So blieben einige wichtige DAX-Konzerne mit ihren Ergebnissen hinter den Erwartungen zurück. Und auch die zumeist vagen Ausblicke lassen nichts Gutes erwarten. Die gute Nachricht ist: In eine Rezession wird die Eurozone beziehungsweise Deutschland wohl nicht hineinschlittern. Dazu ist die Geldpolitik der EZB weiterhin viel zu expansiv.

 

Strategien für Anleger

Halten wir fest: Der schwächere Euro dürfte den DAX zwar stützen, für einen deutlichen Anstieg wird dieser Faktor allein aber nicht ausreichen. Auf der anderen Seite dürften mögliche Prognosekorrekturen infolge der Konjunktureintrübung die Volatilität an den Aktienmärkten wieder anziehen lassen. Demnach wäre vom DAX in den kommenden Monaten eine von stärkeren Schwankungen begleitete Seitwärtsbewegung zu erwarten. In diesem Szenario können Anleger schwache Tage nutzen, um kurzfristig mit gehebelten Long-Positionen auf eine Gegenbewegung zu setzen – und umgekehrt. Auch könnte es für aktive Anleger interessant sein, mit speziellen Optionsscheinstrategien wie dem Straddle auf einen Anstieg der Volatilität zu spekulieren. Unter einem Straddle versteht man den gleichzeitigen Kauf von Calls und Puts auf denselben Basiswert, etwa den DAX. Neben der Menge ist dabei auch der Basispreis (Strike), das Bezugsverhältnis und die Laufzeit der Papiere identisch.

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