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„Zehn Jahre nach der Finanzkrise: Aktien sind und bleiben konkurrenzlos!“

Interview mit Thomas Müller, Herausgeber boerse.de-Aktienbrief

boerse.de: Erinnern Sie sich noch, was Sie vor zehn Jahren gemacht haben?

Thomas Müller: Wir waren damals voll im Umzugsstress, denn im Februar 2008 stand der Einzug in unser Verlagshaus auf dem Programm, während die Börsen verrückt spielten.

boerse.de: Das war der Ausbruch der weltweiten Finanzkrise. Wie kam es dazu?

Thomas Müller: Im August 2007 zogen auf einmal die Zinsen im Interbankenhandel sprunghaft an, und damit platzte die Blase auf dem US-Immobilienmarkt. Durch den Glauben an ewig steigende Immobilienpreise waren davor immer mehr sogenannte Subprime-Kredite an Darlehensnehmer geringer Bonität vergeben worden. Diese NINJA-Kredite (no income, no job or assets) wurden dann gebündelt und mit dem Siegel von Ratingagenturen an Banken aus Europa oder Asien verkauft. Den Börsen war 2007 noch nicht viel anzumerken, doch schließlich brachen die Dämme.

boerse.de: Welche Folgen hatte das an den Aktienmärkten?

Thomas Müller: Der Dax hatte 2007 bei 8067 Punkten geschlossen und verlor allein im Januar 2008 massive 15%. Im März schlugen die Kurse bei nur noch 6182 auf, stabilisierten sich dann über einen Zeitraum von fünf Monaten, um mit der Insolvenz von Lehman Brothers am 15. September zeitweise in den freien Fall überzugehen. Das Jahrestief entstand bei nur noch 4127 im November, das Jahresminus von 40% bedeutete nach -44% von 2002 den zweitgrößten Rückgang der Dax-Geschichte, und der Tiefpunkt der Finanzkrisen-Baisse wurde erst im März 2009 bei 3666 Punkten gefunden. Damit hatte der Deutsche Leitindex in 15 Monaten 54,6% verloren, und selbst der Dow Jones war vom 2007er-Hoch bei 14.165 auf 6547 Punkte im März um 53,8% abgestürzt. Dagegen fiel das Minus im zurückberechneten BCDI mit 20,5% deutlich geringer aus.



boerse.de: In der Börsenberichterstattung der Medien herrschte damals Weltuntergangsstimmung. Wie haben Sie die Situation zum Finanzkrisentief beurteilt?

Thomas Müller: In meinem damaligen Editorial Anfang März 2009 „Was auf die Negativ-Rekorde folgen wird“ hatte ich von bevorstehenden tollen Börsenzeiten mit neuen Index-Hochs geschrieben, Ende März in „Die Rallye kann kommen“ gute Chancen für die Trendwende gesehen und erklärt, dass jede neue Hausse mit einer Bärenmarkt-Rallye beginnt. Anfang April 2009 schrieb ich: „Vor allem können Sie jetzt mit 50%-Abschlägen kaufen und sich zusätzlich Dividendenrenditen sichern, von denen Immobilien und Geldanleger nur träumen.“

boerse.de: Wie schnitten Aktien im Vergleich zu Anleihen seitdem ab?

Thomas Müller: Im März 2009 rentierten zehnjährige Bundesanleihen mit 2,9% und die Dividendenrendite im Dax war auf über 6% nach oben geschossen, um sich im Jahresverlauf dann bei 3,7% einzupendeln. Seitdem haben sich Kurse wie Ausschüttungen massiv erhöht, wobei der Dax 243% gewonnen hat und deshalb die Dividendenrendite auf aktuell 3% gesunken ist. Doch zehnjährige Bundesanleihen kommen aktuell auf nur noch 0,49% Rendite, sodass Dax-Aktien momentan die sechsfache Rendite bringen.





boerse.de: Sind Aktien nach diesen jahrelangen Kurs-Rallyes jetzt nicht schon überteuert?

Thomas Müller: In einer Welt ohne Zinsen sind Aktien konkurrenzlos. Stellen Sie sich darauf ein, dass die Dividendenrenditen in den nächsten Jahren sinken werden – einfach weil die Kurse deutlicher steigen als die Ausschüttungen. Deshalb ist auch die Angst vor hohen Aktienbewertungen unbegründet. Denn solange es keine Zinsen gibt, „können“ Aktien gar nicht zu teuer werden. Die laufende Hausse dürfte uns daher noch viele Jahre erhalten bleiben. Genau „wegen“ der Finanzkrise.

boerse.de: Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch!


Thomas Müller ist seit 1987 Verleger, Gründer und Vorstand der TM Börsenverlag AG, Gründer und Geschäftsführer der boerse.de Finanzportal GmbH sowie Herausgeber vom boerse.de-Aktienbrief. Zudem ist Thomas Müller Initiator des boerse.de-Champions-Defensiv-Index (BCDI) und des BCDI-Aktienfonds (WKN: A2AQJY).

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