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Lufthansa: Jetzt geht's ums Eingemachte!

Die Lufthansa-Aktie stieg gestern auf ein 16-Jahres-Hoch, die Air Berlin-Aktie kostete dagegen weniger als ein Bäckerbrötchen. Ungleich ist der Kampf, der momentan unter den Airlines in luftiger Höhe ausgetragen wird. Während Gläubiger der insolvente Air Berlin bis Freitag 14:00 Uhr noch Übernahme-Gebote entgegennehmen und das Personal um seine berufliche Existenz bangt, fliegt die Lufthansa-Aktie von einem Rekordhoch zum nächsten. Scheinbar gilt auch über den Wolken das Gesetz des Stärkeren: die gesamte Branche steckt momentan in einer Konsolidierungsphase, die dazu führen könnte, dass das Angebot an Fluglinien künftig weiter abnehmen wird. Große Spieler wie die Lufthansa reißen immer mehr “Slots”, Flugzeuge und Marktanteile an sich und machen kleineren Anbietern das Leben schwer. Ein Risiko für den internationalen Wettbewerb, eine Chance für Aktionäre, die auf Gewinne von “Siegerfliegern” wie der Deutschen Lufthansa spekulieren können.

(K)ein Champion

Zwar glänzt die Lufthansa-Aktie seit Jahresbeginn mit einer Performance von +84 Prozent, doch zur Aufnahme in die Elite-Auswahl der 100 Champions-Aktien fehlt ihr ein wesentliches Merkmal: die langfristig erfolgreiche Kurshistorie. Der “fantastische” Kursgewinn von über 80 Prozent reicht gerade mal dazu aus, um die Aktie wieder auf ihr Kursniveau von 2007 zu hieven. Ein “langfristiger Depotbremser”, wie meine Kollegen vom boerse.de-Aktienbrief eine solche Aktie zu nennen pflegen. Die Zukunft muss zeigen, ob die Airline das Zeug zum langfristigen Durchstarter hat, oder weiteren Turbulenzen ausgesetzt sein wird.

boerse.de-Aktienbrief-Champion: Nein. “Nationaler Champion”: Vielleicht? Während sich einige Politiker für eine dominante, deutsche Airline, einen sogenannten “nationalen Champion”, einsetzen, sind die Kartellbehörden anderer Meinung und dürften einer Komplettübernahme von Air Berlin durch die Deutsche Lufthansa nicht zustimmen. Als wahrscheinlich gilt deshalb momentan die Aufspaltung der Berliner Fluglinie, für die sich neben Lufthansa auch Easyjet, TUI, Condor, der Nürnberger Modeunternehmer Wöhrl und ein chinesischer Investor interessieren. Das Wettbieten läuft noch bis Freitag, am 21. September fällt dann die Entscheidung des Gläubigerausschusses.

Turbulenzen voraus?

Ein spannendes Rennen, bei dem für die Lufthansa und deren Anteilseigner einiges auf dem Spiel steht. Zwar hat die LH noch kein finales Angebot für Air Berlin abgegeben, doch es kursieren Gerüchte, wonach die Kranich-Airline für den schnellen Ausbau ihrer Billigtochter Eurowings mittels Air Berlins-Resterampe einen niedrigen, dreistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen möchte. Zusätzlich zu den 38 Maschinen nebst Besatzung, die Lufthansa bereits von Air Berlin geliehen hat, will die Airline im Idealfall bis zu 90 der derzeit 144 Flugzeuge übernehmen. Vor allem der Ferienflieger Niki mit 20 Maschinen sowie die Langstreckenmaschinen Air Berlins haben es den Frankfurtern angetan. Ob aus den hochfliegenden Träumen der LH etwas wird, entscheiden der Gläubigerausschuss und natürlich die Kartellbehörde, die der Teilübernahme aus wettbewerbsrechtlichen Gründen widersprechen kann.

Unterdessen attackiert der irische Billigflieger Ryanair die Frankfurter Fluggesellschaft und buhlt ausgerechnet um Flüge von deren Heimbasis. Im Sommer 2018 will Ryanair ab Frankfurt 38 Ziele ansteuern. Bislang sind es nur vier. Eine Kampfansage an die Lufthansa, die Ryanair schon seit geraumer Zeit auf dem Kieker hat. So unterstellte der Chef der irischen Fluggesellschaft, dass die Bundesregierung mit einem Kredit von 150 Millionen Euro ein Monopol der Lufthansa errichten wolle. Ein “abgekartetes Spiel”, an dem sich Ryanair nicht beteiligen will. Zumindest nicht auf offiziellem Wege…

PS: Aktien sind ein spannendes, schier unerschöpfliches Thema, über das sich lange und intensiv diskutieren lässt. Zum Beispiel im Rahmen des 10. Rosenheimer Börsentags am 8. Oktober, zu dem ich Sie ganz herzlich einladen möchte.

Wir sehen uns!
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